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Shree Jal Kumari Secondary School (Swara, Nepal)

Ein Computer-Lab für Swaragaun

Bereits vom 21. Juli bis 12. August 2016 habe ich nahe Kathmandu das Dorf Gaujini besucht, um dort ein Computer-Lab zu Unterrichtszwecken einzurichten. In diesem Rahmen konnte ich anhand von praktischen Unterrichtseinheiten Erfahrungen sammeln und auf dieser Basis Schulungsunterlagen für Lehrer erstellen, optimieren, und später in Kathmandu ausdrucken. Die Computer, insgesamt 12 Notebooks, wurden von meinem Arbeitgeber, der Paul Hartmann AG, bereitgestellt. Die ersten sechs Geräte verblieben in Gaujini, mit den restlichen Notebooks und den Schulungsunterlagen im Gepäck reiste ich so bestens vorbereitet im November 2016 in das knapp 500 Einwohner zählende Dorf Swaragaun, welches sich in der Gorkha-Region befindet. Begleitet wurde ich von Timo Wedemeier aus Hamburg, mit dem ich zuvor das Annapurna Gebirgsmassiv umwandert habe. Komplettiert wurde unser Team durch Juva, der als Guide und Projektleiter bei Karmalaya arbeitet. Juva hatte zuvor schon in Gaujini das Computerprojekt begleitet, so dass wir für unser Vorhaben ideal aufgestellt waren. Karmalaya unterstützt verschiedene Regionen und Projekte in Nepal, unter anderem die Schule und das Blindenheim in Swaragaun. Die Anreise nach Swaragaun dauert in der Regel zwei Tage. Die letzten 3-4 Stunden sind zu Fuß über steile Anstiege und durch Reisfelder zu bewältigen, begleitet von einer wundervollen Aussicht auf das Gebirgsmassiv Ganesh Himal. Die Gorkha-Region war besonders durch die verheerenden Erdbeben im Jahr 2015 betroffen. Umso größer war meine Freude zu sehen, dass die dortige Schule, das Waisenheim und das Heim für blinde Kinder fast vollständig wieder aufgebaut waren. Alle neuen Gebäude verfügen über ein großes Fundament und sind daher erdbebensicher. Am Fundament für das Blindenheim konnte ich während meiner ersten Nepalreise im November 2015 selbst mitwirken. In Swaragaun befindet sich die SHREE JAL KUMARI SECONDARY SCHOOL, in welcher 215 Kinder von 10 Lehrern in den Schulklassen 1 bis 9 unterrichtet werden. Die blinden Kinder, eines davon mit geistiger Behinderung, sind hier vollständig in die Schulklassen integriert und von ihren Mitschülern wie selbstverständlich akzeptiert. Der Unterricht beginnt morgens um 10.00 und endet um 16.00 Uhr. Der späte Unterrichtsbeginn macht Sinn, da manche Schüler und Lehrer mehrere Stunden zu Fuß benötigen, um zum Unterricht zu kommen. Das Unterrichtsfach „Computer Science“ findet nachmittags statt und ist für die Schulklassen 6 bis 8 vorgesehen. Bisher fand diese Unterrichtseinheit nur in Form von Theorieunterricht statt. In der neu errichteten Schule war bereits ein Computerraum vorgesehen. Die Fenster der gesamten Schule sind noch offen. Diese sollen jedoch noch verglast werden. Es war zwar lustig mit anzusehen, wie die Kids auf dem Schulhof tobten und von Eseln abgelöst wurden, die sich im Staub wälzten. Nicht so gut war der viele Staub für die Computer. Vorsorglich hatte ich etwas Werkzeug und Nägel dabei, so konnten wir das in Richtung Schulhof offene Fenster mit Plastiktüten abkleben. Eine weitere Herausforderung stellte die Stromversorgung dar. Nach dem Erdbeben sind noch immer die Stromleitungen zerstört. So legten wir ca. 100 Meter Kupferdraht vom Waisenheim, welches über eine Solaranlage verfügt, über Wege, Häuser und Bäume hinweg zur Schule. Die blanken Enden des Kupferdrahts wurden einfach ohne Stecker in die Steckdose gesteckt, der Unterricht konnte somit beginnen. Die Augen der Kinder leuchteten, meistens begleitet von lautem Kichern, wenn die Computer das erste Mal gestartet wurden. Ungläubige Augen beobachteten, wie der Mauszeiger auf dem Bildschirm den Bewegungen der Maus folgte. Von der Pieke auf haben wir erklärt, was ein Computer ist und wie dieser funktioniert. Neben den Grundlagen zu Hardware, Software, Windows, Word und Excel wurde auch die Bedienung der Tastatur mit 10 Fingern trainiert. Besondere Freude hatten Kinder und Erwachsenen (die Lehrer) bei dem von „EFK – E-Learning For Kids“ bereitgestellten „Monster-Game“. Spielerisch konnte damit der Umgang mit der Maus trainiert werden. Ziel des Spieles ist es, Kinder zu retten, indem unterschiedlich große Monster in unterschiedlich große Tüten verschoben und somit weggesperrt werden. Auch wenn der Unterricht mit den Kindern allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat, so war es weitaus wichtiger, die Lehrer an den Unterricht heranzuführen und in dieser Aufgabe zu coachen. Nur so konnte sichergestellt werden, dass auch nach unserer Abreise weiterhin Computerklassen stattfinden können. Ähnlich wie bei den Schülern war die Motivation der Lehrkräfte hoch. Der künftige Computerlehrer „Dil“ opferte sogar seinen einzigen freien Tag der Woche, um ein zusätzliches Intensivcoaching zu erfahren. Wer Nepal und die Motivation mancher Lehrer kennt der weiß, dass dies wirklich außergewöhnlich ist. Zwischenzeitlich wurde eine von der Regierung finanzierte Solaranlage geliefert und auf der Schule installiert. Die aus Elektrikersicht nach deutscher Norm kriminell einzustufende Stromversorgung konnte so glücklicherweise frühzeitig wieder abgebaut werden. Karmalaya kümmert sich weiterhin um die Möblierung des Computerraumes, bisher wird mit den Möbeln aus dem Lehrerzimmer erfolgreich improvisiert. Über den Unterricht hinaus begleiten uns viele schöne Erlebnisse: Gesang und Tanz am Lagerfeuer mit den Kids, schöne Wanderungen, Spiele, Luftballon- und Wasserbombenschlachten auf dem Schulhof, nette Gesten und Gespräche ohne viele Worte (ein Lächeln sagt oft viel mehr), Einladungen von Familien zum Tee oder zum Essen und so vieles mehr. Riesig gefreut haben sich die Kinder, als ich die von Freunden bereitgestellte Kleidung verteilen durfte. Ebenso war die Freude über die von der VR-Bank Aalen bereitgestellten Geschenke wie beispielsweise Wärmflaschen oder Rucksäcke sehr groß. Das „Schleppen“ von knapp 50 Kilo Gepäck am Flughafen war damit wie vergessen und nie da gewesen.

 

Ein Bericht von Ralf Markus Ledl

 

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