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Tierischer Computerunterricht in Nepal

Das Alter der Frau, die mich freundlich anlächelt, schätze ich auf gut über 60 Jahre ein. Sie faltet die Hände, verneigt sich leicht mit dem Kopf, und begrüßt mich herzlich mit dem in Nepal üblichen „Namaste“. Wie ich später erfahre, ist diese Frau, braun gebrannt und mit tiefen Falten in ihrem immer lächelnden Gesicht, erst Mitte 40 Jahre alt, und damit nur wenig älter als ich selbst. Es ist kaum zu glauben, wie stark sich die harten Lebensbedingungen äußerlich bemerkbar machen. Keinen Abbruch tut dies der Gastfreundschaft und Herzlichkeit, wie ich diese im zweitärmsten Land Asiens schon häufig erfahren durfte.

 

Ich befinde mich vom 21. Juli bis 12. August 2016 in einem Ort namens Gaujini im Bezirk Nuwakot, ca. 40 Kilometer nordöstlich von Kathmandu, am Nordrand des Shivapuri Nagarjun National Park. Man begegnet kaum anderen Menschen, die rund 3.000 Einwohner wohnen über eine riesige Fläche verteilt, getrennt durch ein enges Tal. In meinem Gepäck befinden sich die ersten 5 von insgesamt 12 gebrauchten Notebooks, welche mein Arbeitgeber, die Paul HARTMANN AG aus Heidenheim, für zwei Schulen in Nepal zur Verfügung gestellt hat, die ich während meines Sabbaticals besuchen werde. Viel Gepäck, das nur mit Hilfe einheimischer den vierstündigen Fußmarsch in strömendem Regen, watend durch Bäche und vorbei an zahlreichen Wasserfällen, den Weg ins Dorf fand. Die dafür notwendige Unterstützung wurde durch Karmalaya (www.karmalaya.com) geleistet, die bereits den Transport der Geräte unter Einbeziehung anderer Volontärs, sowie die notwendige Organisation vor Ort vorbereitet und koordiniert hatten. Trotz Einbruch der Nacht machte ich mich nach unserer Ankunft, ausgerüstet mit meiner Stirnlampe, auf den kurzen Weg zum Bach, um dort das fließende Wasser für eine nach dem Fußmarsch wohltuende Dusche zu nutzen. Die Lautstärke der Dschungelartigen Geräuschkulisse war beeindruckend, sollte später jedoch durch den prasselnden Regen auf das Wellblechdach des Tunnelhauses übertönt werden.

 

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht fanden sich die ersten Schüler erwartungsvoll zum ersten Computerkurs ein. Vorkenntnisse gab es keine, obwohl nach Auskunft der Lehrer Computerunterricht an den Schulen stattfindet. Dies jedoch nur in Form theoretischer Inhalte, denn Computer gibt es keine, oder falls vorhanden, funktionieren diese nicht. So mussten die mitgebrachten Laptops auf die Menschen wie Wundermaschinen wirken. Aufgrund der Ferienzeit war das Trainieren mehrerer Gruppen über den gesamten Tag hinweg möglich, nebenbei wurden die Trainingsinhalte entwickelt und zur Anleitung künftiger Lehrkräfte und Volontäre dokumentiert. Engagiert und mit „Herzblut“ übernahm der Projektkoordinator und Guide „Juva“ von Karmalaya die Rolle des Dolmetschers, denn für englischsprachigen Unterricht reichten die Sprachkenntnisse der Schüler nicht aus. Umgekehrt stießen wir mit unseren rudimentären Nepali Sprachkenntnissen sehr schnell an unsere Grenzen. Die anfänglichen Berührungsängste wurden durch Neugierde sowie durch Freude am Üben abgelöst. Die zwischen 8 und 16 Jahre alten Kinder und Jugendlichen erhielten neben Hinweisen zu Hygienischen Aspekten bei gemeinsamer Nutzung der Notebooks zuerst eine Einführung zur Hardware und Software. In den folgenden drei Wochen wurden Kenntnisse zu Microsoft Windows und Office vermittelt, und durch praktische Übungen gefestigt. Viel Spaß und Freude hatten die Kids bei der Erstellung eines eigenen Lebenslaufs mit dem Titel „This is about me“. Spielerisch wurde darin das eigene Foto platziert und formatiert, sowie Grafiken in Anlehnung an beispielsweise Hobbies und Lieblingsfarben verwendet. Der „Renner“ war die Verwendung der bunten Rahmen aus Bäumen, Schmetterlingen, Herzen oder Sternen. Die Dokumente konnte ich nach meiner Rückkehr in Kathmandu drucken, laminieren, und über Karmalaya den Teilnehmern zukommen lassen, obwohl dies zur Motivation der Klassen gar nicht mehr notwendig war. Nach jeder Computerstunde wurde die Verwendung der Tastatur geschult und mit Hilfe von Übungssoftware Trainiert. Besonderen Ehrgeiz entwickelten klein und groß beim „Balloon Game“ – durch die schnelle und korrekte Eingabe vorgegebener Wörter konnten Luftballons zum Platzen gebracht werden. In gleicher Art und Weise wurden bis zu fünf Gruppen mit jeweils ca. 90 Minuten Unterricht pro Tag an fünf bis sechs Tagen pro Woche betreut. Zu dieser Betreuung gehörte auch das Improvisieren bei regelmäßigem Stromausfall. Für Unterhaltung sorgten dann Spiele und Zaubertricks. Eine weitere „tierische“ Herausforderung stellten die Ziegen dar, die Geschmack an den Stromkabeln gefunden hatten. Hartnäckig kamen diese immer wieder und wollten weiter am Plastik knabbern. Ihr vertreiben quittierten sie durch lautstarkes Gemecker. Auch Hunde machten es uns oft nicht leicht. Merkwürdigerweise fanden diese alle Plätze am gemütlichsten, an denen sie uns bestmöglich im Weg lagen. Mittelfristig wird sich dieses Problem durch die Fertigstellung des Gebäudes lösen, welches in dem Zuge Türen und Fenster bekommen soll. Das beschriebene Projekt wurde in der ersten Woche zusätzlich durch Andrea Riedl aus Österreich unterstützt. In Woche zwei und drei stand Korbinian Rudolf aus dem Frankfurter Raum tatkräftig zur Seite. Mehr als reichlich entlohnt wurde unsere Arbeit durch die Freude und Neugierde der Kids, was diese auf vielfältige Art und Weise zum Ausdruck brachten. Besonders überrascht und gleichermaßen beeindruckt waren wir, als die erste Gruppe viel zu früh, um 6.15 Uhr, zum Unterricht erschien. Wenn man bedenkt, dass diese Gruppe dafür bereits einen einstündigen Fußmarsch hinter sich gebracht hatte, so sorgte dieser nicht bestellte „Weckdienst“ bei uns für zusätzliche Motivation. Eine bessere oder schönere Bestätigung für unsere Arbeit hätten wir nicht bekommen können.

 

Ein Bericht von Ralf Markus Ledl

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